Evgenia Grosman

Style Consultant & Personal Shopper

Graue Jahreszeit? Nicht für mich! (de)

Ich liebe Herbst! Er kann so bunt, frisch und faszinierend sein! Die Natur selbst bittet eine unglaubliche Vielfalt an Farben und Schattierungen. Ich benutze im Herbst jede einzelne freie Minute um spazieren zu gehen und meinen Durst nach Farben und schönen  Landschaften zu stillen.Grün, Gelb, Weinrot, Kupferrot, Rot-braun, Gold-braun, Gelb-grün, Feuerrot, Orange, Erdbraun, Kastanienbraun, Khaki – so farbenfroh ist der Herbst für mich.

Winter kann mindestens genauso inspirierend sein, Klare Farben, frische Luft. Unendlichkeit von reinem Blau, Grau, Weiß und Schwarz! Ist das nicht schön?

Aber ehrlich gesagt bin ich da fast die einzige, die von den kalten Jahreszeiten so fasziniert ist. Die meisten meiner Bekannten zucken mit den Schultern und sagen: „Herbst? Winter? Grau natürlich.“

Warum? Geht mal im Herbst oder im Winter früh morgens aus dem Haus! Was seht ihr da? Es ist noch ziemlich dunkel, man sieht kaum die Farbenpracht der Natur, aber man sieht wohl die „grauen“ Gestalten, die zur Arbeit oder zum Bäcker oder mit den Kindern zur Schule eilen. Grau, grau, grau sind alle meine Kleider… Kaum wird es ein bisschen kälter, sieht man überall Menschen, die Grau und Schwarz tragen. Höchstens ist es Dunkel-blau oder Grau-braun. Praktisch? Keine Frage! Schön? Nur selten.

Warum? Ganz einfach: um richtig stylish in den dunklen Tönen auszusehen muss man mit Fakturen und Stoffen spielen. Solche eleganten Farben, wie Schwarz und Grau brauchen elegante Stoffe, gute Passform und absolute Ordentlichkeit.  Ausgedehntes Jersey in Schwarz oder Grau sieht fabelhaft nach einem obdachlosen Traum aus! Und wie oft in der Woche nimmt ein durchschnittlicher Deutsche eine Fussel-Rolle um seinen schwarzen Mantel von den Fusseln, Fäden, Staub und Haaren (Tierhaaren auch! Wir sind ja alle tierlieb!) sauber zu machen?  Ganz zu schweigen davon, dass eine schwarz-graue Eleganz unbedingt ein Make-up und wenigstens einen Hauch von einer Frisur braucht.

Und so stolzieren wir früh morgens: Zähne geputzt (hoffentlich), geduscht und nach dem frischen Kaffee und Deo riechend, aber auch ungeschminkt, grau-schwarz, mit der Staub aller Zeiten auf unseren einst so schönen Mänteln. Inspirierend, oder?

Es gibt aber ein paar Tricks, die uns gleich eleganter und stilsicherer aussehen lassen.

1. Ein dezentes Make-up gradet unser Aussehen gleich um ein Paar Levels up. Schon allein die Maskara bewirkt ein Wunder: die Augen sehen tiefer, geheimnisvoller, grösser aus. Wenn aber auch ein bisschen Rouge und ein Lipgloss, oder ein Lippenstift in rosé dazu kommt – sind wir die Göttinnen! Ein Gesicht mit einem Make-up sieht frischer und junger aus, und das wollen wir alle. Mit „dezent“ meine ich aber wirklich leichtes Make-up, keine 3 cm dicke Maske, geklebte halb-meter-lange Wimpern und dunkel-braune Lippen. Kim Kardashian mag ein Social-Media Star sein, aber das alles ist schon seit mehr als nur paar Jahren out!

Für die Männer gilt in diesem Fall: Gute Frisur, Frisch gewaschene Haare, Rasur, gepflegte Haut.

2. Ausgedehnte, ausgefärbte Kleidung, Sachen mit Fusseln, Löchern, Flecken und von Oma/Mutter/älterer Schwester geerbte Kleidungsstücke müssen raus! Und zwar in die Mülltonne! Wir wollen schließlich nicht wie ein Clochard aussehen, oder?

3. Benutzt die Fussel-Rolle jeden Tag, wenn ihr einen schwarzen, dunkelgrauen oder dunkelblauen Mantel trägt! Wascht und bügelt eure Sachen! Putzt eure Schuhe! Ordentlichkeit ist die halbe Eleganz!

4. Habt Mut zur Farbe. Eure obere Schicht muss nicht unbedingt dunkel sein. Rot ist immer in. Wenn ihr das richtige Rot findet, seid ihr unwiderstehlich! Beige ist ein Inbegriff der Eleganz. Grün lässt uns jugendlicher aussehen, es sei denn ihr habt einen passenden Farbton gefunden. Khaki – unbeschreiblich gut. Orange – für mutige.

5. Bleibt ihr doch bei den klassischen und eleganten Farben wie Schwarz Grau und Dunkel-blau, bringt unbedingt Struktur in ihre Garderobe. Dunkle Farben lieben klare, gerade Linien, elegante Schnitte und edle Stoffe, die Form gut halten. Wolle, Kaschmire und Wildleder sind angesagt.

6. Benutzt Accessoires. Besonders in dem Fall, wenn sie dunkle Farben in der Oberbekleidung vorziehen. Eine interessante Tasche kann zum Hingucker werden und ihre Stil-Temperatur um einiges erhöhen. Statement-Ohrringe beim zurückhaltenden Outfit machen eine Furore! Von den schönen Tüchern und Schals gar keine Rede – wer geht heutzutage im Herbst nach draußen ohne? Edle Stoffe, wie Seide oder Kaschmire halten uns warm dazu.

7. Bitte keine Bergsteiger- oder Oma-Schuhe! Mag schon sein, dass sie bequem sind, und dass Fahrrad zu fahren sie auch ok sind. Aber, Mädels, habt ihr die Frauen in Italien oder Frankreich beobachtet? Sie würden niemals so etwas in der Stadt tragen. Ihr tragt keine Absatzschuhe? Kein Problem, es gibt so viele schöne Alternativen bei den Flats: Loafer, Brogues, Ballerinas, Chelsea Boots usw. Letzten Endes sind die hübschen Sneacker oder die derben Dr. Martens ein besseres Couple zu einem Herbstmantel als braun-graues formloses Etwas.

8. Layering ist sehr angesagt und gerade in den kalten Jahreszeiten ein Muss. Ein T-Shirt, ein Pulli oben drauf (das T-Shirt muss am besten rausgucken), ein Long-Cardigan darüber, eine Biker-Jacke oder einen Mantel als obere Schicht – fertig! So friert ihr garantiert nicht.

Und das Letzte – habt keine Angst zu experimentieren! Seid ihr selbst! Denn eigenen Stil zu haben ist keine Hexerei, sondern eine Arbeit. Eine angenehme Arbeit, nicht wahr?



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